#16 Olymic National Park – Woche I

Die erste Woche in Bildern, frisch entwickelt in Portland. Habe leider eine Rolle Film verloren (Nikonos 4:3 Isabelle), aber das ist in meinem Kopf eingebrannt. Mehr Text folgt!

Tag 1 – Port Townsend
Tag 2 – Lake Angeles

Tag 2 – Lake Angeles und Hurricane Ridge

Tag 3 – Neah Bay und Cape Flattery, Makah Reservation
Tag 4 – Ozette Lake und Küste

Tag 5 – Hoh Rain Forest
Tag 6 – Forks, WA und Lake Quinault Lodge

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#15 Vanlife – Alles für das Gram (!?)

Da wir jetzt alle wissen, wie hübsch und funktional Betty ist, muss ich kurz in Romantik versinken und euch erzählen, was ihr in euren Wohnungen so verpasst. Wie ihr bestimmt von all den zahlreichen Youtube Videos und Friede-Freude-Eierkuchen Instagram Accounts wisst, ist das Vanleben super sexy und beinhaltet viele nackte Frauenärsche vor Sonnenuntergängen, der perfekt rausgeputzte Oldtimer glänzt mit den Singlefins auf dem Dach um die Wette, das Ding ist mit geschmackvollem Schnickschnack und Stromversorgung ausgestattet und jede Nacht genießen die Vanbewohner ein Lagerfeuer unter einem anderen, traumhaften Sternenhimmel inmitten von atemberaubenden Landschaften…ja, ne. Nicht wirklich.

Vor allem hier, studierend an der Coldcoast sah das ein bisschen anders aus. Nie trocknendes Regenzeug statt Bikinihintern, beschlagende Scheiben statt romantischem Sonnenaufgang, gut koordiniertes Akkuladen und Zähneputzen in der Bibliothek und heimlich-still-und-leise Nächte an der Hecke neben Britt und Beléns Haus. Kein Licht, schon gar kein Lagerfeuer, dafür Frösche und Grillen und Abreise morgens vor Acht, (a) damit die Nachbarns nichts merken oder sich wenigstens nicht gestört fühlen, denn wir sind hier schließlich illegal unterwegs (b) weil dann wirklich Pinkeln angesagt ist und (c) damit ich an der Uni noch einen Parkplatz finde und mich nicht den ganzen Tag zwischen Kurzzeitparkplätzen hin- und herparken muss.

Hört sich nicht wirklich verlockend an, oder? Jein. Spaß gemacht hat’s trotzdem und tut es auch immer noch, sogar immer mehr. Das mit dem Übernachten (fast) wo immer du willst stimmt nämlich schon und ich hab einige schöne Sternennächte direkt am Surfspot verbracht, um bei Sonnenaufgang direkt ein paar Wellen zu erwischen. An meinem Lieblingsstrand fällt ein Wasserfall direkt auf den Sand und so wird der Neo dann auch gut entsaltzt. Mittagessen direkt aufm Campus kochen und danach ein Nickerchen? Kein Problem! Wochenendtrips spontan und günstig? Aber hallo! Ohne Betty hätte ich definitiv weniger erlebt dieses Jahr (und würde auch um einiges weniger Zeug mit mir rumschleppen…). Außerdem hat mich die Tatsache, dass ‘meine’ Dusche im Unifitnessstudio und -schwimmbad lag, definitv häufiger zum Sportmachen bewegt als sonst und ich bin selten so regelmäßig früh raus obwohl kein Schnee lag. Gefroren hab ich auch selten, es war eher zu heiß und ein nasser Neo entwickelt unangenehme Dünste in geschlossenen Autos…

Ich habe nun zu Beginn meiner Reise einen “Beautiful America” Pass für Betty und mich gekauft. Für 80$ kann ich nun den ganzen Sommer in Nationalparks, in National Forests und auf allem vom Forest Service verwalteten Land (kostenlos) wild campen. Damit fällt endlich das Verstecken weg und ich kann auch mal gemütlich die Hängematte aufspannen und Frühstück kochen. Die Website freecampsites.net ist eine riesige Hilfe dabei, nette Plätzchen zu finden und nicht blind ins Nirgendwo fahren zu müssen.

Selbstverständlich konnte auch ich der Versuchung nicht widerstehen, aus meinem #vanlife ein #sexyinstagramvanlife zu machen und ehrlich, des lohnt sich nicht. Es braucht unglaublich viel Planung, gute Kamera und immer neue aber ausgelutschte Szenerie und Kamerawinkel um da wirklich was zu reißen. Und ehrlich, nach ca. einem Jahr fangirlen hab ich mich an den immer wiederkehrenden Bildern des #vanlife sattgesehen. Van schlängelt sich durch Redwoods – Bikinihintern liegt auf dem Bett, traunhafte Landschaft draußen – Details aus der Küche – auf dem Dach bei Sonnenuntergang – ihr wisst bescheid (wenn nicht, einfach mal Instagram #vanlife auschecken). Da ich weder die Zeit (weil Studium) noch die Lust (weil Leben) noch den Arsch (weil Schokolade) habe mein Leben nach diesem Narrativ zu richten, bleibt mein Feed also eine bunte Ansammlung netter Erinnerungen und nicht viel weist darauf hin, dass mein Reisepartner vier Reifen und nen Motor hat. Am liebsten würde ich die App einfach löschen, weil ich merke, dass sie mir nicht gut tut. Doch ich trau mich nicht, weil es so eine nette Art ist, Erinnerungen zu sammeln und es zwischen all dem Selbstdarstellungskrampf auch diese andere Seite gibt, auf der Leute was zu sagen haben und ich schon so viel gelernt habe über Feminismus, Rassismus und all das, was die Medien nicht schaffen zu sagen. Instagram ist auch eine Plattform für diejenigen, die in der Gesellschaft stumm gemacht werden sollen. Und für Memes, da bekenne ich mich schuldig.

Falls ihr kein Instagram habt (meine liebste Familie ;)) ist hier ein Link zu meinem Profil. Das kann man sich auch ohne Anmeldung ganz einfach am Computer ansehen und da gibts viel regelmäßiger Bilder und Neuigkeiten von dröben. Einfach auf “Mehr auf Instagram sehen” klicken, um alles zu sehen.

 

 

 

 

#13 48° Nord – Ein Männlein steht im Walde

Nachdem ich vor ziemlich genau einem Monat das akademische Jahr abgeschlossen habe, und dieses trotz kleinerer und größerer Desaster sogar als recht erfolgreich bezeichnet werden kann, ist nun also die Zeit für die große Reiserei gekommen. Da ich mir in diesen letzten 30 Tagen nicht nur mein Handy habe klauen lassen, sondern auch ohne Film in der Kamera geschossen habe (dumm wie Brot wie ich bin) gibt es leider keine graphischen Beweise über das Erlebte. Ehrlich gesagt ist aber zwischen Umzugshelferei, Autovorbereitung, Unipapierkram und Schlafnachholen nicht viel Spektakuläres vorgefallen.

Hier die Highlights im Schnelldurchlauf:

a) Schlaf. Total krass, ich kann das nur empfehlen.

b) Greg und seine Mitbewohner sind frisch gebackene Bachelor of Sciences und ich durfte den kitschig-schönen Feierlichkeiten im Unistadium beiwohnen. Wir wurden auch gebacken, und zwar von herrlichem Sonnenschein. Das macht schon was her dieses Traditions-Trara.

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c) Für das Kinetic Grand Championship (Link! Draufklicken!) sind wir dann extra noch in Arcata geblieben. Bei diesem Rennen rasen muskelbetriebene, skurrile Gefährte durch das ganze County, müssen sich nicht nur auf Straßen, sondern auch durch Dünen, Wasser und miese Hügel beweisen. Das Spektakel dauert drei Tage, ist total abgefahren und ich habe ein weiteres Lebensziel. FOR THE GLORY!

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https://lostcoastoutpost.com/kinetics/2018/

c) Ich habe eine richtige Bretzel gegessen. In einer “deutschen Brauerei” in Portland. Ich musste fast weinen. P.s. Wer auch immer mich vom Flughafen abholt BITTE bringt mir ne Bretzel mit.

Und nun?

Ich habe ein leicht stressiges “Kanada in 24h” Abenteuer hinter mir und bin nun wieder zurück in den Staaten. Ich wäre ja länger geblieben, aber da weder meine Kreditkarte noch mein Handy nördlich des 48sten funktionieren bin ich dann lieber flugs wieder umgekehrt bevor mir der Sprit ausgeht und ich mein Auto zurückschieben muss. Trotzdem hab ich eine nette Zeit gehabt und neben gemütlichem Am-See-rumliegen was Skurriles entdeckt: Teapot Hill. Auf einem Hügel im Cultus Lake Provincial Park verstecken Besucher Teekannen und Tassen im Gehölz. Von dem etwa kilometerlangen Pfad habe ich fast hundert Porzellanteile gefunden, platziert an allen erdenklichen Orten die ein dichter Wald so bietet. Ich hab mal ein paar Suchbilder geschossen, schaut mal wie viele ihr findet. Ich werde inzwischen die Fähre zur Olympic Pensinsula nehmen und mich dann hoffentlich bald mit wunderschönen Bildern aus den verwunschenen Wäldern und einsamen Stränden des Great Northwest melden.

 

#12 Willits, CA – Den Umständen entsprechend

Tja. Der Bericht über mein sexy Vanlife muss warten. Hier ist nämlich das Chaos ausgebrochen und meine Laune ist im Keller.

Meine Betty ist mitten in der Nacht, selbstverständlich mitten in den Redwoods ohne Empfang oder jeglichen Verkehrsaufkommens, liegen geblieben. Kein Zug mehr, nur Gestank von vorne. Scheiße. Nach kurzer Verschanufpause bin ich dann mit Warnblinkanlage in den nächsten Ort getuckert um mal mit Licht unter die Haube zu schauen. Zum Glück habe ich mir dafür gerade die Tankstelle ausgesucht, an der nachts um halb eins sogar gleich zwei Mechaniker außer Dienst versuchen der Trostlosigkeit von Willits, California, zu entfliehen. Es braucht nur einen kurzen Blick auf die tiefschwarze Getriebeflüssigkeit für die beiden, um mir ans Herz zu legen dieses Dorf heute nicht mehr zu verlassen. Ich, mit meinen Nerven schon gut am Ende, lasse mir von den beiden noch Tipps zu Werkstätten und Ersatzteilhändlern geben (die sich als wahrer Glückstreffer herausstellen), heule in aufsteigender Panik Papa übers Telefon voll und fahre dann auf den Hof der Werkstatt, die man mir empfohlen hat um auf den Morgen zu warten.

Das war letzten Donnerstag, vor einer Woche und natürlich bin ich immer noch in Willits. Oder wieder, um genau zu sein. Betty und ich waren nämlich auf dem Weg nach San Fransisco zu “Model United Nations of the Far West” Konferenz, von der ich eigentlich berichten wollte. Freitagfrüh hab ich also meinen Rucksack gepackt, ein bisschen rumtelefoniert und mich von Kommolitonen mit dem gleichen Ziel aufsammeln lassen. Genauso bin ich dann am Dienstagabend auch wieder in Willits gestrandet, in freudiger Erwartung dass Betty morgen abend wieder fahrtüchtig sein würde.

Denkste. Mittwochmorgen wurde klar, dass die Reperatur heute nicht mehr abgeschlossen werden würde. Also hab ich noch eine Nacht im Motel gebucht, hab den ganzen Tag am Computer die Konferenz für das kommende Wochenende vorbereitet und bin daran verzweifelt. Donnerstag morgen habe ich dann ausgecheckt, bin rüber zur Werkstatt. Doch leider fehlte ein Schlauch, der mit dem Getriebe hätte geliefert werden sollen. Ist bestellt und soll Freitagmorgen um acht mit der Morgenlieferung kommen. Also wieder zurück ins Motel, mehr Hausaufgaben und ein bisschen Entspannung. Juhuuu, morgen früh gehts endlich raus hier und ich habe sogar Zeit, auf dem Weg noch am Skatepark zu halten. Ich hätte es mir denken können, ihr habt’s vermutlich vermutet; die Morgenlieferung kommt ohne Schlauch. Wo der Schlauch ist, kann der Händler leider auch nicht sagen. Muss irgendwo auf dem Weg sein.

Inzwischen ist es früher Nachmittag und meine Konferenz beginnt in weniger als fünf Stunden. Betty steht seit drei Tagen auf dem Bock und ich bin dem Nervenzusammenbruch mehr als nahe. Ich habe die halbe Woche lang nichts getan als gestresst zwischen Motels, Werkstatt und Laptop hin- und herzuhetzen, meine Hausaufgaben sind nicht erledigt und meine Arbeitsgruppe hat beschlossen, mich zu ignorieren. Ich schaffe es kaum etwas zu essen, das nicht wieder hochkommen will und kein verdammtes bezahlbares Cafe in diesem Loch hat Wlan.

Nun ja, es ist Zeit wieder zurück zur Werkstatt zu rennen um herauszufinden ob das Teil in der Zwei-Uhr-Lieferung ankommt. Dann könnten ich und Betty hier heute noch rausfahren und uns auf den Weg nach Sacramento machen. Wenn nicht, bleibt mir nichts übrig als ein Auto zu mieten und nächsten Dienstag den ganzen Tag damit zu verschwenden, mein Auto zurückzutauschen. Bitte nicht.

#11 Vanlife – Betty the Beauty, Betty the Beast

Wenn ich vorstellen darf: Mein Zuhause, Betty.

Tipp – wenn ihr auf die Bilder klickt, werden die größer. Voll krass.

Betty ist ein Honda Odyssey aus dem Jahre 2004, quasi ein japanischer Sharan. Ich habe sie letzten August von einer Familie in Los Angeles gekauft. Sie ist die letzten dreizehn Jahre mechanisch topgepflegt worden, hatte frische neue Reifen und schlappe 132.000 Meilen auf den Achsen (das sind 212.000km und nein, das ist nicht viel hier). Betty war ein unfassbarer Glücksgriff. Nachdem der Vertrag unterschrieben war sind wir flix zu Ikea, dann zu Walmart und dann raus aus diesem Metropolenwahnsinn. Wenn ihr meine ersten Artikel verfolgt habt, dann wisst ihr wie erleichtert ich gewesen sein musste. Todmüde bin ich am nächsten Tag zurück in Monterey bei meiner Tante gewesen. Die gute Frau weiß einfach immer, was zu tun ist, also haben wir erfolgreich den Abgastest und die Registrierung bestanden und dann einen Ölcheck beim Mechaniker ihres Vertrauens angemeldet. Die Werkstatt hat alles (alles!) durchgecheckt und außer einer kleinen $50 Muffe war alles tiptop! Betty ist laut Werkstatt eines der einwandfreiesten Damen ihres Alters, die man hier seit langem gesehen hat. Ich war erleichtert.

Dann also ging’s los mit dem Umbau! Ich hab leider nicht so viele Fotos gemacht, vor allem nachdem ich Lauch mir den Augapfel an nem Bauteil aufgeschnitten hab und mich erstmal ne Woche wegen akuter Blindheit ausgenockt habe (Llllinkshänder am Werk). Aber ihr könnt hier sehen, wie ich die Bettkonstruktion modular gestaltet habe, um später zwischen Schlafmodus – Wohnzimmermodus – 3+Mitfahrermodus switchen zu können. Da ich die Matratze nie passend zu den Bauteilen zerschnitten habe, fällt der Wohnzimmermodus leider raus, aber ich bin froh, dass ich die Möglichkeit des Umbaus habe und mit Rückenlehne ist Filme gucken auch viel gemütlicher.

Das Ganze hat mit fleißiger Mithilfe von meinem Cousin William ungefähr ne Woche gedauert. Ich hab mir viel den Kopf zerbrochen über Kleinigkeiten wie die Reling am Regal oder die Stauräume, aber das hat sich definitiv ausgezahlt. Meine Klamotten verstaue ich zum Beispiel in den Kissenbezügen, mein Laptop passt genau zwischen die Reling (siehe Video) und sämtliche Küchenutensilien sind zentimetergenau reingefrimelt. So sah es dann aus, als ich stolz meine erste Fahrt angetreten bin.

Betty auf Jungfernfahrt
(draufklicken zum youtube-Video – kann ich hier leider nicht einbetten)

Natürlich hab ich dann nach und nach rausgekriegt, was klappt und was nicht, habe angepasst und weitergebastelt und selbstverständlich Unordnung geschaffen. Es ist unglaublich, wie man auf so wenig Platz so viel Chaos unterbringen kann. Meine neueste Adaption sind eine Lichterkette, dieser Krimskramskorb, improvisierte Isolierung (hinter dem ebenfalls improvisierten Bücherregal), eine Box für den Schulkram unterm Bett und diese Dachbox, die ich meiner wunderbaren Tante zu verdanken habe. Seit Surfbretter, Wetsuits und Ski nach oben gezogen bin, hab ich viel weniger Probleme mit Feuchtigkeit und vernebelten Fenstern.

Das ist also Betty in Action, extra für euch aufgeräumt und hübsch gemacht. Nur gewaschen haben wir uns nicht. Dreckig bleiben, Kinners.

Nächstes Mal dann über mein unfassbar #sexy #vanlife im unfassbar #sexy Kalifornien. Also fast.

#10 Die Beatles im Hintergrund – Und was studierst du so?

Durchatmen. Endlich.

 

Die erste Hälfte des Semesters bin ich wie verrückt Fristen hinterhergerannt und habe fleißig vorgearbeitet, um den Besuch von Carlo und Nici nicht mit Univerpflichtungen zu verkomplizieren. Es hat sich gelohnt! Nicht nur hab ich fast den gesamten Springbreak frei gehabt zum durch-die-Gegend-tingeln mit den beiden Pappnasen, sondern finde mich jetzt zu meiner eigenen Verwunderung mit einem wunderbar entspannten Terminplan konfrontiert.

Also dachte ich, ich erzähl mal was genau mich hier die letzten Monate so beschäftigt gehalten hat. Et voilà, meine Kurse*!

GEOG 106 – Introduction to Physical Geography

Die Erstsemester Vorlesung zur physischen Geographie hab ich in Nürnberg schonmal gehört gehabt, mit Begleitseminaren und so. Aber wirklich gezündet hat es nicht. Ich weiß nicht warum, vielleicht weil der Prof so gern geprotzt hat, dass seine Durchfallquote bei 50% liegt, vielleicht, weil sein fränkischer Dialekt mich zutiefst verwirrt hat. Dieses Mal hat’s dafür direkt ein Feuer entfacht, vor allem für Steine, und in mir ist das unstillbare Verlangen aufgestiegen metertiefe Bodenprofile zu buddeln und in Artikeln über die Biomasse des temperierten Regenwaldes (meinem Zuhause auf Zeit) zu stöbern.

GEOG 304 – Migration and Mosaics

Die Staaten sind ein Einwanderstaat und von vielen Kulturen besiedelt und geprägt. In diesem Kurs hab ich gelernt, wieso Texas unter sieben Flaggen stand, New Orleans französich geprägt ist, wie der Kontinent von Europäern besiedelt (oder annektiert?) wurde und wie sich die ganze rassistische Sch**ße und soziale Ungerechtigkeit, mit der wir uns heute in den Nachrichten konfrontiert sehen, auf Jahrhunderten von Ausbeutung, Unterdrückung und europäischer Arroganz basiert. Die ersten Europäer hier drüben waren die Spanier. Ich hab das mal auf einem sehr engagierten Lernzettel zusammengefasst.

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SPAN 116 – Spanish II

Wo wir gerade bei den Spaniern sind: Ich hatte mir gedacht, in einem Staat, in dem 37% der Einwohner sich als “Hispano oder Latino” bezeichnen und 29% zu Hause Spanisch sprechen, kann ich ideal meine Spanischkenntnisse auffrischen und erweitern. Deshalb hab ich mich vier Tage die Woche eine Stunde lang einen Kurs voller Erstsemester mit Grundstudium-Auflagen angetan. Aufgefrischt wurde dabei nur meine Erinnerung an die zehnte Klasse und daran, wie viele Anti-Vibes die Luft in einem Raum voll unreifer Teenager zerschneiden. Nach Ende des Kurses hat dann meine eigene Faulheit und das neue Semester schnell dazu beigetragen, dass hablo espanol muy poco todavia. Oder so.

ENG 211 – Introduction to Creative Writing

Den Kurs hab aus reiner Neugier gewählt. Wow! Heal McKnight, die wahrscheinlich genialste Professorin des Jahres, hat es so unfassbar gut verstanden uns kreatives Schreiben als Entdeckungsreise in sich selbst zu vermitteln. Schreiben ist etwas Persönliches, und Heal hat eine wunderbar sichere Atmosphäre in ihrem Klassenraum geschaffen, so dass sich tatsächlich jeder getraut hat, diese Reise auch anzutreten. Falls das mit mir und dem Lehrerdasein was wird, wird Creative Writing definitiv einen festen Platz im Lehrplan finden.

PE ??? – Red Cross Lifeguard Certification

Tadaaa, ich bin seit Dezember zertifiziert als Rettungsschwimmer vom Red Cross hier drüben. Da unsere Kursleiterin Lawre nicht nur Rettungsschwimmer ausbildet, sondern auch die Schwimmbäder der Uni und der Gemeinde managt, gab es neben den Ausbildungsinhalten auch noch pikante Details über die hygienischen Zustände in öffentlichen Schwimmbädern…nope, ich bin raus.

GEOG 411 – Senior Field Research

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Der letzte macht’s Licht aus.

In dem verzweifelten Versuch, die PH Studienordnung mit den hier angebotenen Kursen in Einklang zu bringen, schreibe ich gerade quasi eine Bachelorarbeit, die ich eventuell nie anerkannt bekomme. Mein Thema ist “Factors influencing bicycle commuting among HSU students” und ich versuche rauszufinden, ob der Regen, die Hügel oder einfach nur Faulheit dafür verantwortlich sind, dass nur knapp 10% der Studierenden hier zum Campus radeln. Dafür hab ich letzten Monat regelmäßig im Kartenraum die Lichter ausgemacht und dann letzte Woche stundenlang in der Bibliothek Leute angeflirtet, dass sie mir nen Fragebogen ausfüllen. Diese Woche versuche ich den ganzen Datensatz statistisch auszuwerten. Die Betonung liegt dabei auf versuchen, denn was weiß ich schon wie das geht.

GEOG 467 – Field Trip

Ein weiterer Versuch, der PH Studienordnung gerecht zu werden und nicht noch zwei Jahre an dem Saftladen rumeiern zu müssen. Die diesjährige Exkursion geht für ein Wochenende zur jährlichen Konferenz der geographischen Gesellschaft Kalifornien in Sacramento, und auf dortigen Tagesausflügen habe ich die Möglichkeit, über Böden, Landnutzung und nachhaltige Landwirtschaft am Fuße der Sierra Nevada zu lernen. Dazu darf ich mein Forschungsprojekt vorstellen und das wird ganz schön lustig wenn man bedenkt dass das schon in drei Wochen ist…uppsi da muss ich nochmal reinhauen.

PSCI 376 – Model United Nations

Meine Damen und Herren, ich werde an der diesjährigen Model United Nations Conference of the Far West die Republik Slovenien im zweiten Kommittee der UN Generalversammlung vertreten. Wir fahren also nach einem Semester Vorbereitung nach San Francisco ins schnieke Hyatt am Flughafen (Uni zahlt), ziehen uns kratzige Businessklamotten an und debatieren mit anderen Studenten aus diesem fernwestlichen Teil der Welt (USA, Phillipinen, Heidelberg) über das Schicksal der Welt. Jeder, der meine Einstellung zu Dresscodes kennt fragt sich jetzt vermutlich, ob ich dann tatsächlich mal lange Hosen und saubere Schuhe trage, die Antwort ist, JA MAN ICH MUSS NÄMLICH!! Ich freu mich trotzdem, laut erfahrenen Kommolitonen nehmen manche das ziemlich ernst und das kann nur witzig werden. Und wenn nicht, verkündet Slovenia evtl. dass es die Auflösung der WTO anstrebt und gerne den Weltbienentag einführen würde…ach ne warte, den Weltbienentag gibts ja schon.

OCN 109 – Oceanography

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Moonstone Beach – ich liebe diesen Ort.

Hier oben an der Pazifikküste zu leben, ist schon was Feines: Ab und zu taucht ein Seehundkopf neben meinem Brett auf, oder ein paar Schweinswalflossen schneiden durch die Wellen, im Herbst und jetzt im Frühjahr sieht man weiter draußen Grauwalfontänen und mit ein bisschen Glück sogar eine Fluke. In Gezeitenpools schimmern Anemonen und Einsiedlerkrabben, Seetang wächst mühsam dem Licht entgegen, bis der nächste Sturm es an den Strand treibt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie begeistert ich bin, über das alles und noch so viel mehr (den ganzen verflixten Ozean) lernen zu können, während ich diesen direkt vor mir hab. Da wäre zum Beispiel meine neu gewonnene Bewunderung für Wasser an sich. Leute, das Zeug ist der Hammer! Oder Strände. So ein ausgeklügeltes System!

GEOG 301 – International Environmental Issues and Globalization

Ach, Globalisierung, kennste doch. Brauchste trotzdem. Also gewählt. Meine Erwartungen waren dementsprechend leicht zu übertreffen, aber wer hätte denn gedacht, dass sich mir hier ein ganz neuer Horizont auftut? Diese Vorlesung hat mein Verstädnis davon geändert, warum die Welt so ist wie sie ist. Ich verstehe nun, wie die ökologischen, politischen und sozialen Probleme, die unsere Welt umspannen, zusammenhängen und in einem kapitalistischen Werte- und Organisationsproblem ihren gemeinsamen Nenner finden. Ich empfinde diese neue Perspektive voll wegweisender Inspiration für die Frage, wie ich mein Leben leben möchte und was ich aus mir und meiner Welt machen will – und kann!

In diesem Sinne, Gute Nacht! Ich muss ins Bett und werde zuckersüß von Regressionsanalysen träumen…am Strand…im Businessoutfit……..und auf Spanisch.

 

 

 

#9 Ein Hörsaal – Wir sind am Ende doch alle Taxifahrer.

Manchmal, man sitzt da so erwartungsvoll mit Stift und Block und erwartet nix, passiert ganz unerwartet etwas, dass man noch weniger erwartet hat als das, von dem man nix erwartet hat. Weißt was ich meine?

“Science is a branch of philosophy that appeared to be working well for describing natural phenomena. Science is philosophy.”

Jeff Borgeld, HSU Oceanography

“Wissenschaft”, sagt mein Professor, “ist eine Disziplin der Philosophie, die sich als sehr geeignet erwiesen hat Naturphänomene zu beschreiben. Wissenschaft ist Philosophie.” Wissenschaft ist Philosophie! Ist das nicht wunderschön? Völlig begeistert und leicht fassungslos kritzle ich diese Worte auf meinen Blog und frage mich, wieso mich das so sehr verblüfft (es heißt doch sogar Ph.D. Doktor der Philosophie, selbst in naturwissenschaftlichen Promotionen). Ich bin so verzaubert von diesen Worten, dass ich diesen Satz zum schönsten des Semesters küren möchte. Außerdem frage ich mich, ob wir dann alle Taxifahrer werden und ob die Welt wirklich so viele Taxifahrer braucht. “Der Meeresspiegel,” werde ich zurück in den Hörsaal katapultiert, “ist eine äquipotentielle Gravitationsoberfläche und hängt somit ab vom Profil des Meeresbodens und der Dichte des unterliegenden Gesteins.” Dr. Borgeld lässt das nächste kalte Projektorbild aufleuchten und ein Gewimmel von Formeln flimmert an der Wand. Wie philosophisch.

 

P.s.: Ich hab gestern morgen das erste Mal in meinem Leben ein Erdbeben gespürt – 5.8 Magnitude, das Epizentrum war 140 Meilen westlich von uns im Ozean und hier haben (nur) ein bisschen die Tische gewackelt. Ganz großes Kino (fast).

 

 

 

#8 In einem sehr gemütlichen Bett – So war das alles nicht geplant.

So war das alles nicht geplant. Ich wollte doch schreiben und Fotos machen, jede Woche. Stattdessen klafft eine riesige Blog-Lücke seit November und Fotos entwickeln, das ist mir hier zu teuer. Oder bin ich einfach nicht diszipliniert genug, fehlt mir die Leidenschaft?

Ich wollte doch fitter werden, und endlich einen Handstand lernen und das mit dem Skaten rauskriegen. Wollte Frisbee spielen und Teil eines Teams sein. Das hat eigentlich auch fast gut geklappt. Für sechs Wochen bin ich jeden Morgen in den Skatepark geschlichen und bin über Rampen gefallen bis es geklappt hat und danach ins Unifitness, ein bisschen Yoga. Ich bin zum Training gegangen und hab Freundinnen gefunden. Bis erst Innenband und Meniskus aufgegeben haben und dann mein Immunsystem sich der langwierigsten grippalen Erkältung meines Lebens ergeben haben. Sechs Wochen voll Fieber, Husten, schlechtem Schlaf. Ist das eine billige Ausrede oder bin ich zu hart zu mir selbst?

Zurückstecken wollte ich auch nicht, schließlich warten Wellen und Abenteuer und das Knie muss wieder fit werden, die Saison beginnt bald und meine Ski werden ungeduldig. Aber wo bleibt bloß die Antwort vom zuständigen Ranger der Lassen Volcanic Backcountry Ski Patrol? Ich wollte doch die ganzen vier Ferienwochen in den Bergen verschwinden, Schneeprofile buddeln und Lawinen lesen lernen. Ich wollte doch Touren und Touren und all die Schönheit der Cascades auf meinen netten kleinen Schwarzwaldski erleben. Stattdessen ist der gute Mann bis Mitte Dezember im Ausland, ich habe weder Tourpartner noch die Gesundheit und bei den Schneebedingungen wäre der Spaß vermutlich auch eher mittelmäßig. Oder habe ich mir da eh nur ein Luftschloss gebaut?

Ich sollte, könnte, müsste enttäuscht sein über so viele zerplatzte Träume; sollte, könnte, müsste mich ärgern über was auch immer mir an Willenskraft oder Entscheidungswillen gefehlt hat und ich würde lügen, wenn ich nicht ein paar trostlose Stündchen durchlebt hätte, frustriert über das, was nicht gewesen ist. Ich war richtig wütend, um ehrlich zu sein! Wieso läuft nichts in meinem Leben wie geplant? Wieso mach ich Pläne und dann zerfallen sie einfach und was mache ich hier eigentlich?

Wenn ich mich allerdings losreiße von durchgeplanten Abenteuern, Wochen und ganzen Semestern und einfach mal mit dem Flow gehe, habe ich festgestellt, dass mein Leben ziemlich wunderbar ist. Es war gar nicht so schlimm, Weihnachten nicht in der Kälte, sondern am Strand zu verbringen mit den ganzen Menschen, die ich hier drüben meine Familie nennen darf. So viel gutes Essen, gute Stimmung, so viel Leben in der Bude mit sieben Cousins und Cousinen und ebenso viel Tanten und Onkeln!

Es war auch gar nicht so schlimm, dann durch zehn Grad (viel zu warm!) durch tannengesäumte Straßen zu fahren und nur die Spitzen der Cascades im Sonnenuntergang weiß glitzern zu sehen; wo doch 800 Meilen weiter nördlich mein Lieblingszottelkopf mir sein zuhause und ein ihm sehr ähnlich sehendes flauschiges Highland Rind mit dem Namen Mo vorstellen wollte. Greg kennt die besten Donut- und Bierplätzchen in Portland und sein Dad weiß wirklich viel über die Vulkane der Gegend (Vulkane sind so geiler Scheiß!). Durch seinen Job bei der Feuerwehr hat er zum Beispiel einige Expeditionen in den Krater von Mt. Saint Helens machen dürfen und wachsende Gletscher und schneeweiße Bergziegen gesehen. Silvester sind wir am Mt. Hood Ski gefahren bis die Feuerwerke das neue Jahr eröffnet haben, die Pisten waren leer. Dank Campervan waren wir dann acht Stunden später direkt wieder die ersten auf dem Berg und mit Pistenraupenfahrt und einem perfekten Start in 2018 belohnt worden.

Zurück durch die Hochwüste von Oregon (fast so genial wie die Vulkane, die den Horizont begrenzen) bin ich in Bend gelandet, bin das erste Mal auf einer Flusswelle gesurft und dann für ein paar Tage in den Bergen, genauer gesagt am Mt. Bachelor, verschwunden während ich aud die Snowjacks Crew von der Uni gewartet hab. Tatsächlich habe ich natürlich nicht gewartet, sondern die Schneequalität überprüft. War okay, aber der Ausblick war umso legendärer. Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich auf Vulkane stehe? Nun kann ich sogar behaupten, auf einigeN gestanden zu haben…höhö okay der war schlecht.

Ich kann also nicht behaupten, dass ich keinen Spaß gehabt hätte, all die Zeiten in denen ich meine Pläne nicht durchziehen konnte oder es einfach nicht gemacht hab. Dieser Blog ist hauptsächlich zu leer, weil hier so viel Leben, so viel Schönes passiert. Statt jeden Morgen Skaten und Yoga habe ich einige Sonnenaufgänge, einige Grauwale und sehr viele Sonnenuntergänge vom Wasser aus erleben dürfen. Nachdem das dann verletzungsbedingt keine Option mehr war habe ich die heilige Praxis des Ausschlafens vom Großmeister höchstpersönlich erlernen dürfen. Ich habe noch einiges an Übung vor mir, um mehr als drölftausend Stunden am Stück schnarchend zu verbringen, aber ich habe einen ambitionierten Trainingsplan, wenn dieser auch halb unfreiwillig ist.

Ich habe gute Noten geschrieben und seit der fünften Klasse selten so viel Spaß am Lernen gehabt. Ich sprudle über vor Ideen und hab richtig Lust rauszugehen und Steine anzugucken und Bodenprofile zu graben und auf Friedhöfen nach der Herkunft erster Siedler zu stöbern. Ich war richtig aufgeregt, Kurse für dieses nächste Semester zu wählen! Ich habe das in den letzten Jahren sehr selten erfahrene Gefühl, das Uni und Professoren tatsächlich am Erfolg ihrer Studenten interessiert sind anstatt sich in institutioneller Arroganz und Bürokratie zu verstricken und ein delikates Machtspiel aus jeder Note, Anerkennung und Kompromissen zu machen – dazu später definitiv nochmal mehr.

Dann hab mich auch noch verliebt. Wie das halt so ist, macht das oft ein bisschen bequem. Was sollte ich mich den scheren über die Bikinifigur des nächsten Sommers und die Verletzungen an den man eh nichts (mehr) ändern kann, wenn Eiscreme zu zweit so viel besser schmeckt und bei 8°C und Regen jeder Swell von Sturmwinden auf haushohe Wände aufgebauscht wird. Aber ich will doch auf keinen Fall bequem sein! Ich will doch rausgehen, dumme Dinge tun, das Beste aus mir rausholen und Abenteuer erleben. Zur Hölle mit der Zweisamkeit! Zur Hölle mit allem was mich zurückhält! Oder?

Oder will ich mal wieder zu viel zu schnell auf einmal? Ich erlebe doch Abenteuer, wenn auch andere. Ich hole doch das Beste aus mir raus, wenn auch in der Uni statt auf dem Surfbrett. Ich mache doch dumme Dinge, wenn auch die Hälfte schiefgeht und mir zeigt, dass ich nicht in eine drei Meter tiefe Skatebowl droppen kann. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine Schürfwunde gewonnen, die sich beim nächsten Surfen entzünden wird und Sie drei Wochen aus dem Wasser halten wird. Ich geh doch raus, wenn auch seltener als geplant. Draußen ist nur halb so schön mit Grippe im Dauerregen, wem will ich beweisen wie hart im Nehmen ich bin?

Ich glaub, ich bin das nicht. Vielleicht bin ich ein Schönwettercamper. Ich krieg nämlich richtig schlechte Laune wenn ich nass und unterkühlt bin. Vielleicht bin ich nicht diszipliniert genug, um einen Blog zu unterhalten. Ich denke dran und dann widme ich mich dem Leben statt dem Berichten. Vielleicht bin ich gut im Ausreden finden. Ich bin Meister darin, im Halbschlaf Argumente gegen Yoga für Frühstück im Bett zu finden. Vielleicht bin ich zu vorsichtig um eine gute Skaterin oder Surferin zu sein. Vielleicht werde ich niemals so gut, dass ich mich abends in den Park traue oder in eine steile Welle zu paddeln. Vielleicht bin das ich und ich sollte aufhören, mich dafür selbst zu hassen. Sollte mir Zeit geben, dass zu werden, was ich kann und den Rest einfach akzeptieren, statt irrealen Ansprüchen an mich selbst hinterherzurennen. Wem will ich irgendwas beweisen?

Weil gerade Saison für sowas ist, habe ich mir zum Vorsatz genommen, einfach mal durchzuatmen und Dinge passieren zu lassen. Aufhören, über diese angeblich perfekte Version meines Lebens zu stressen. Das wird schon. Geduld. Und das, was nicht wird, wird halt nicht. Egal.

Diesen Blog wird es trotzdem weiter geben, ich schreibe gern. Ich habe schon eine Menge Idee, welche Erinnerungen ich hier teilen könnte aber falls das hier tatsächlich jemand liest und sich wünscht, mehr zu erfahren über eine bestimmte Sache, freu ich mich tatsächlich, also schreibt mir einfach oder kommentiert oder ruft mal an.

#7 Ein geblümtes Sooofa – Was’ denn looos bei mir?

Ich wünschte, ich hätte in den letzten Wochen ein bisschen mehr Disziplin an den Tag gelegt, diesen Blog zu bestücken aber es ist einfach zu viel passiert. Der letzte Monat (viel zu) kurz und knapp:

  • Ich gebe jetzt zweimal die Woche Deutsch-Nachhilfe und hab nächste Woche ein Interview für nen Surflehrerjob am Unisport. Leben ist teuer hier drüben.
  • Letzte Woche kam ein fetter Swell rein und ich bin die wahrscheinlich fetteste Welle meines bisherigen Lebens gesurft. Der Swell danach war noch fetter und das leitet nahtlos über zum nächsten Punkt.
  • Ich habe “The Great British Bakeoff” auf Herz und Nieren geprüft und kann die Show nun guten Gewissens weiterempfehlen. Die spinnen, die Briten.
  • Ich weiß nicht wer auf diese unfassbar dumme Idee gekommen ist, aber Midterms sind real, stressig und ich hab’s überlebt und meine Noten sehen ganz gut aus.
  • Mein Board und ich, wir beide humpeln. In meinem Falle wird das MRT zeigen, ob Kreuzband oder Innenband aufgegeben haben. Im Falle meines Boards ist die Diagnose einfacher – Finbox rausgebrochen, Mist.
  • Central California stand in Flammen, ganze Städte sind niedergebrannt. Wir haben außer rauchgeschwängerter Luft und knallroten Monden nichts abbekommen, aber viele Studenten und Dozenten haben Familie in der Gegend und so kommt das Feuer dann auf anderen Wegen hier oben an…
  • Der Sturm der uns mit Regen und Wellen überschwemmt hat, hat in den Bergen für ne erste Lage Schnee gesorgt. Juchuu! Der Winter kommt!

 

Und nun zeigen wir um die Zensoren zu ärgern noch ein paar Bilder von…äh meiner neuen alten Kamera. Die ersten gescannten Fotos

Arcata Skatepark // Der Himmel brennt (zu wörtlich) // ein Hund wartet auf sein surfendes Herrchen // ein paar Blümchen am Höhleneingang // King Porcupine of Horse Mountain

 

#6 Die Bibliothek – Geisterstunde

 

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#schwarmintelligenz

Ich habe meine Prokastination auf ein apokalyptisches Level gehoben und diese unfassbar trashige Graphik zusammen geklatscht aus dem krassesten trash, den mein leicht überfordertes, koffeinverseuchtes und trotzdem müdigkeitsgeplagtes Hirn mithilfe der Google Bildersuche halt um 23.30 Uhr noch so zu bieten hat. Somit habe ich eine halbe Stunde dreiviertel Stunde (hat sich dieser verdammte Absatz doch gelöscht) weniger Zeit, dieses verdammte Essay zu beginnen. Die Bibliothek schließt in sportlichen fünfzehn Minuten und mein Koffeinflash kriegt Gesellschaft von einem Zuckerflash in drei, zwei, eins, lölölölölölölölölölölölölölölölöööö.

…Okay, peace out Isabelle.

*500.000 Mark? Nur 500.000 Deutsche Mark? Ist diese Frage nicht mehr wert? Alles ist relativ, sag ich mal, denn die größte Frage ist doch, wohin bloß die Busse fahren, auf denen “Bitte nicht einsteigen” steht. Welch ein Ministerium…äh Mysterium.

Okay es reicht jetzt wirklich, Isabelle!

Peace, Over, Out.

#5 Auf Sendung – So klingt Humboldt

Ich liebe Radio! Ich mag die Idee, dass Radio den Geist eines Ortes vertont und im Falle von Humboldt County fühle ich mich in dieser Theorie bestätigt. Besonders, anders, in einer anderen Welt. Da in diesem Falle Töne mehr sagen als tausend Worte, hört am besten mal selber rein. Einzig das herrliche Knistern meines Autoradios kann ich via Internet leider nicht mitschicken. Das müsst ihr euch vorstellen, landeinwärts wird es ein bisschen lauter.

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Voll meine Wellenlänge (Wortwitz!). Hier geht’s zum Livestream.

KHUM 104.7 – Soundtrack von Roadtrips und nächtlichen Parkplatzsuchen,
gut zum Nachdenken und voller Entdeckungen. Die Werbung ist auch nicht schlecht. Momentan mein absoluter Favorit und ich glaube ich werd’s arg vermissen.

 

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Was bleibt da zu sagen – SWAG! Hier geht’s zum Lifestream.

KHFR 105.1 – selbstorganisierter Studentenfunk mit mehr als 70 DJs.
Keine Werbung, auch keine schlechte. Manchmal glaube ich, meine street credibility steigert sich allein durchs Zuhören. Recht einfältige Moderation von Zeit zu Zeit (“Yeah, this is song is one of my favorites…it’s awesome. I really like it… … …it’s one of my favorite songs. It’s called, uhm, “Suicidal Thoughts in the Back of the Cadillac”. It’s really awesome…”*).

 

Also, hört mal rein und stellt euch vor, ihr seid inmitten eines temperierten Regenwaldes zwischen Redwoods, Palmen, Überlandleitungen und gelben Fahrbahnmarkierungen!

 

*High Five an Jeden, der das in einer sehr monotonen, gelangweilten und fast stupide anmutenden Stimme gelesen hat. Genau so! Aber der Song ist gut, wirklich.

#4 Eine Hobbithöhle – Die Magie von Mocca

Es ist fast zehn Uhr an einem Freitagabend. Weil unsere Bibliothek nicht daran glaubt, dass Studenten zu solchen Unzeiten lernen wollen, bin ich auf der Suche nach Licht, Strom und WLan in dieses kleine Café gestolpert. So wie das Licht durch die Gardinen und Zweige auf die dunkle – und ansonsten leblose – Straße schimmert, hat die Szenerie etwas hobbithöhlenhaftes. Dazu klingt wildes Gefidel auf die Straße und zaubert mich endgültig nach Mittelerde – “Keltische Livemusik Heute” begrüßt mich ein Zettel an der Tür. Drinnen riecht es wunderbar nach Sauna und Tannenzweigen und die Brille und der Schnauzer hinter der Bar passen wie Sahne auf Kakao in diese urige Hütte. Andere Welt, anderes Jahrzehnt. Wo bin ich? Sicherlich im Paradies. Der Kakao ist nämlich verdammt himmlisch und ich glaub ich nehme noch einen. Die Livemusik sitzt neben dem Kamin und spielt seit 30 (dreizig!) Jahren zusammen. Die Geige hat durch all diese Jahre einen zauberhaften britischen Akzent beibehalten und ich schmelze dahin wenn sie nochmal so gleichgültig “proper” ausspuckt…ahh, das gute alte [Ə]. Der Kamin ist leider aus. Ich wette da hat mal jemand geklagt dass Kaminfeuerrauch den Kaffee im Abgang beeinflusst oder dass Holz verbrennen Bäume beleidigt. Wenn es ums Verklagen geht, traue ich den Amerikanern wirklich einiges zu. Ich darf noch nichtmal ‘ne Schaukel auf dem Campus aufhängen, weil da jemand runterfallen könnte. Studierfähigkeit ist schließlich nicht mit Spielplatzkompetenz zu verwechseln. Die Geige hat zum Akkordeon gewechselt. Hab ich schon die Modelleisenbahn unter der Decke erwähnt? Wenn keiner schaut und das letzte Licht erloschen ist, dampft sie vermutlich fröhlich ein paar Runden auf ihrer Holzbahn umher. Bestimmt kommen dann auch die Gnome aus den Balken und die Mädchen aus den Bildern herausgestiegen und tanzen ausgelassen auf Kaminsims und Kuchentheke*. Vielleicht tauchen sie auch Kopf voran in die Hot Tubs oder lecken an den Steinen in der Finnensauna um high zu werden. Die verströmen nämlich aus dem Garten diesen herrlichen Duft und romantischerweise kann man die bis in die späte Nacht stundenweise mieten. Greg sagt, das ist nicht so romantisch wenn man bedenkt, was “die dreckigen Collegekids” (Zitat) darin wohl treiben. Wo er Recht hat… Aber jedes Mal, wenn sich die Hintertür öffnet, schwappt eine neue Welle Sauna hinein und ohne diesen Geruch wäre das alles nur halb so sonderbar hier. Hach, es ist magisch! Ich glaub ich lass das mit den Hausaufgaben sein für heute und genieß diesen Moment beim nächsten Kakao. Diesmal aber den großen. Mit Sahne.

 

P.S. Das war nicht der einzige magische Moment des 01.09.2017. Heute war Albus Severus Potters erster Schultag. Danke Hauke für diese zauberhafte kleine Erinnerung <3.

*bis einer auf Zimt ausrutscht, runterfällt und alle anderen verklagt. Amerikanische Gnome halt.

#3 Humboldt State University – wie alles begann

Die Uni hat begonnen und mit jedem Tag will ich dem Schicksal mehr danken, mich halb unfreiwillig hierher verfrachtet zu haben. Humboldt war nicht meine erste Wahl und die Geschichte, wie ich hier gelandet bin, ist eine dramatische Lovestory (zumindest kam es mir furchtbar dramatisch) mit Happy End.

Es beginnt damit, wie ich vor mehr als einem Jahr für meine Bewerbung an das Auslandsamt der PH Freiburg vier kalifornische Universitäten als meine Priorität wählen muss. An den großen Standorten wie San Diego, Los Angeles, Long Beach oder San Francisco stehen die Chancen schlecht und die im Inland fallen aufgrund von Wellenarmut auch raus. Von den übrigen Unis schaue ich mir die Schwerpunkte und Kurskataloge an.

Nummer eins auf meiner Bewerbung wird San Marcos, mitten im Wellenparadies um Oceanside und Encinitas. Irgendwas zieht mich nach L.A. Ich will im Van wohnen und das ist dort quasi legal, der Großstadtdschungel reizt mich und außerdem gibt es Sonne und Wellen im Überfluss. So hab ich mir Kalifornien vorgestellt!. Also versuch ich es doch an der CalState LA und finde dazu einen kleinen Campus südlich der Stadt (und direkt südlich von Compton): Dominguez Hills.

Dann öffne ich auf meiner Suche die Website der Humboldt State University, ganz im Norden zwischen Redwoods. Ich weiß nicht genau warum, aber mich hat es schon auf den ersten Blick gepackt. Die Bilder von Exkursionen in überwältigende Natur, die Fotos vom Campus zwischen Redwoods, die unzähligen Student Clubs….ich fühle mich sofort zuhause.

Ich werde nominiert und nach Tübingen eingeladen. Dort erklärt man uns den Bewerbungsprozess nochmal genauer und es kommt raus, dass bei bestimmten Colleges nur eine Priorität angegeben werden muss, weil der Andrang so gering ist. Drei meiner Favoriten fallen unter diese Regelung: Dominguez Hills, San Marcos und Humboldt State. Dann muss ich mich ja theoretisch jetzt schon entscheiden…oh je.

San Marcos fällt raus wegen zu hoher Gebühren, CaltState LA ist doch zu weit weg vom Meer und meine Chancen zu klein. Der letzte Schritt fällt mir schwer. Sowohl Dominguez Hills als auch Humboldt State sind beide nicht groß gefragt und beide versprechen auf ihre Weise ein tolles Jahr und ich hatte gehofft, dass ich den endgültigen Teil der Entscheidung aus meinen Händen geben kann. Ich bin nicht bereit, Hilfe!

Nach viel hin und her, welchen Entwurf meines Auslandssemesters ich nun realisieren möchte, überwiegen die Argumente, dass es in LA mehr zu erleben gibt, ich regelmäßig Surfen kann und im das Leben im Van bei den horrenden sonstigen Kosten mir einiges an Freiheit schenken wird. Ich gebe a.so Dominguez Hills als Erstwahl an und, nur um sicherzugehen, fülle ich das Feld für die Zweitwahl auch aus. Allerdings glaube ich nach dem Treffen in Tübingen nun nicht mehr, dass diese Zweitwahl irgendeine Relevanz hat.

Ich betrachte meine Zukunft als besiegelt und beginne, mir voll Vorfreude und in allen Details mein Hippieleben in Südkalifornien auszumalen. Ich suche also Surfspots, Campspots, finde eine Critical Mass und unzählige alternative Bewegungen, stelle mir vor wie ich abends auf einer Klippe über der Brandung den Sonnenuntergang genieße.

Dann kommt, ich sitze nichts Böses ahnend auf der Arbeit, eine Mail vom CSU Office in Long Beach – meine Bewerbung für Dominguez Hills wurde abgelehnt. Stattdessen wird mir ein Platz an der Humboldt State University angeboten. Ich soll mich innerhalb von knapp 72h entscheiden. Mein wunderschönes Luftschloss aus Vorfreude bricht in sich zusammen. Das darf nicht wahr sein! Hanna schickt mich nach Hause, Diagnose heute unbrauchbar.

Nachdem die wieder gleichen Leute meine völliger Verzweiflung ertragen müssen, beschließe ich am nächsten Morgen ins Auslandsamt zu gehen und alles in Bewegung zu setzen. Mein akademisches Profil passt nicht auf Dominguez Hills heißt es dort, aber wenn ich unbedingt dort hin wollte, dann würden sie das möglich machen. „Die HSU fanden alle, die dort waren, ganz wunderbar“, meint die hilfsbereite Dame im Auslandsamt. Ich glaube sie hat Mitleid mit mir. „Das ist alles so ein bisschen Hippie da oben, da passt du doch super rein!“ Na danke. Ich hab mir heute extra ne Hose angezogen.

Nach einer schlaflosen Nacht fasse ich mir einen Kopf. Dann doch nicht. Es vergeht also noch ein Tag, an dem ich mir mit Pro und Kontra den Kopf zerbreche und Rat bei alles und jedem suche, den ich in die Finger oder ans Telefon kriege, siegt Vernunft über Dickkopf und ich nehme den Platz an der HSU an. Los geht’s, das nächste Luftschloss will gebaut werden!

Es ist unvorstellbar, wie viel Freude es mir bereitet, mir mein Leben da drüben auszumalen, bis ins kleinste Detail. Da Arcata trotz der kleinen Größe und vermutlich aufgrund der abgelegenen Lage verdammt teuer ist, kommt der Leben-im-Van Plan wieder auf meine Liste. Bei Dauerregen und Durchschnittstemperaturen zwischen 19-4 Grad Celsius klingt das nicht wirklich verlockend, aber mein herzallerliebster Mitbewohner stichelt die ganze Zeit, dass ich das eh nicht durchgezogen, auch nicht im Süden. Jetzt erst recht! Ich suche schonmal nach Autos.

Kurz nach der offiziellen Bestätigung, im nächsten Jahr an der Humboldt State University studeiren zu können, kann ich auch schon Kurse wählen und die Damen im International Office sind alle furchtbar nett. Lange passiert erstmal nichts, ich beantrage und bekomme recht unproblematisch mein J1 Visum und dann kommt Anfang Juli das Programm für die Orientierungswoche. Ich freu mich so!

Nun sitze ich hier zwischen zwei Kursen, habe in den sieben Tagen hier im Norden schon unzählige wunderschöne Momente gehabt, unzählige freundliche Leute auf dem Campus, auf dem Wasser oder auf Parties kennengelernt, bin Mitglied des Ultimate Frisbee Teams und genieße die Natur und die Freiheit, die mein Van mir gibt. Ich genieße jeden Augenblick und zweifle nicht mehr einen Augenblick daran, dass das hier der richtige Ort für mich ist (wie #2 zu entnehmen ist, zweifle ich stark daran, über DH Ähnliches hätte behaupten zu können).

„Hier geht es um den Ort“, hat die Unipräsidentin beim großen Willkommen im Footballstadium gesagt. „Schaut euch um – wir befinden uns inmitten von Redwoods, rauer Küste, und Bergen – ohne den speziellen Charakter dieses Ortes wäre die HSU nicht das, was sie ist. Sie beeinflusst unser Denken, unser Curriculum und unser Selbstverständnis.“ Sie ist nicht die Einzige, die uns an diesem Abend klarmacht, wie besonders dieser Ort ist. Der Chairman der Native Americans begrüßt uns im Land der Wyott und heißt uns willkommen als neue Mitglieder des Stammes. Das klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber in diesem Moment, inmitten von einem Stadium voller euphorischer Menschen und umrahmt von riesigen Bäumen, fühlt sich das einfach nur wunderschön an.

Liebes Bauchgefühl, ich sollte manchmal besser auf dich hören.

#2 Ein Starbucks – Aller Anfang ist…?

Ich bin nun schon ein paar Wochen hier, was hab ich eigentlich getrieben? So viel, dass die Zeit nicht gereicht hat, mal darüber zu schreiben. Aber weil ich hier schließlich Erinnerungen für mein altes graues dementes Ich sammle, nehm ich mir mal die Zeit.

Hier neu anzufangen war und ist teilweise holprig teilweise einfach; teilweise schön und teilweise zum Kotzen. Hier also ein kurzer Rückblick in elf Akten

23.07. Ich liege bei meiner Tante Carol auf der Couch, den vollsten Bauch der Welt und den flauschigsten Kater der Welt im Arm. Wir sind mit einem grandiosen Frühstück (was hier vor allem viel bedeutet) in den Tag gestartet und dann nach Big Sur gelaufen. Gelaufen? Exakt. Im Winter ist eine der Brücken nach Big Sur zusammengefallen. Nun parkt man im Pfeiffer State Park und erledigt den Rest des Aufstiegs zwischen Redwoods und Flüssen. Nach einer Stunde Fußmarsch belohnt „Nepenthe“, wo bis in die 90er wilde Hippie-Parties stiegen. Ich bin mal wieder zu spät geboren und kriege nur mit, wie herrlich friedlich es hier oben auf der Klippe über den Wolken sein kann. Da das ganze Füße benutzen und Schwitzen nämlich eher so „European Style“ ist, bleiben die meisten Amerikaner unten im Park, zwischen 10m Wohnmobilen und voll ausgestatteten Campingküchen. Glück gehabt, so konnte ich den Zauber dieses Ortes ganz ungestört genießen.

25.07. Es ist schon fast Mitternacht. Ich lass mich ins Queen Size Bett fallen und bewundere die Tapete. Sie ist eisblau, voller Meerjungfrauen und schimmert im Licht. Die Tür neben mir öffnet sich zum Pool. Was? Ich habe in Santa Barbara ins Hostel eingecheckt und irgendwie ein kostenloses Upgrade bekommen. Ich bin ein Glückspilz! Dazu ist Santa Barbara echt schön, es gibt einen Laden in dem nur Socken und Sandalen verkauft werden und alle hier tragen entweder Flipflops oder fahren barfuß Skateboard. Auf der Zugfahrt hierher habe ich endlose leere Strände und Wellen entdeckt und die schonmal vorsorglich auf meiner Karte markiert. So hab ich mir Kalifornien vorgestellt!

28.07. Meine Glücksträhne ist abgerissen. Ich sitze mal wieder in einem Starbucks in Santa Monica. Nach fast einer halben Woche LA hab ich kein Auto und weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafen soll. Ich hatte nämlich gehofft, dass ich ab heute in meinem neuen Gefährt schlafen und wohnen kann. Hostels hier in der Gegend sind ausgebucht, Zimmer in Hotels ab 160$. Es nervt, immer alle Habseligkeiten rumzuschleppen (der Schwerpunkt beim Skateboarden wird quasi unberechenbar mit 12kg aufm Rücken) auf der Suche nach Internet und Strom und es fühlt sich nicht gut an, ein bisschen homeless zu sein. Ich rufe einen guten Freund am anderen Ende der Welt an und verdränge das einfach mal. Das wird schon.

28.07. “Das wird schon” ist aufgegangen. Der Chef der Werkstatt, zu der ich den Bulli, den ich nun doch nicht kaufe (zu viele Wehwehchen) zur Inspektion bringen wollte, will nicht, dass ich mich nachts draußen rumtreibe und schlägt vor, dass ich mich in einem der Autos ausbreite, die er gerade zur Reparatur hat. Low hat gesagt, ich soll immer das machen, was hinterher die beste Geschichte ergibt und ich habe ein gutes Gefühl. Nachdem ich Hanna per Whatsapp mein Testament diktiert habe, mache ich mich in der Stretchlimousine mit dem Kristallen in der Decke lang. Kein Witz. Mark (der Mechaniker) wohnt in der Werkstatt, hinten im Büro auf der Couch. Mieten sind zu teuer und er braucht nicht mehr, sagt er.

31.07. “You’re sure? That’s the hood!“ Ungefähr so reagieren die meisten Uber Fahrer wenn Ida und ich zurück ins Hostel wollen (Uber Fahrer sind übrigends unfassbar hilfreiche Reiseführer ;)) Ida kommt aus Schweden und wir beide haben uns naiv ein Bett im Adventurer Hostel in Inglewood eingebucht. 19$ die Nacht im 20er Dorm und es ist eigentlich sehr schön. Ein bisschen wie ich mir ein günstiges all-inklusive Resort in Florida in den Neunzigern vorstelle, mit Leuchtschriften, Palmen, Fluren und Treppen außen und einem Pool. Dazu werden mir free Breakfast, free Cookies, free Popcorn, free Cake versprochen. Das Popcorn ist salzig und irgendwas stimmt hier nicht…im Dorm spricht niemand miteinander, an der Bar sitzen saufend alte Männer und ich traue mich kaum, kurze Hosen anzuziehen. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich nicht sicher fühle und dieses Unbehagen breitet seinen Schatten langsam über die ganze Stadt aus. Ich werde vorsichtig, misstrauisch. Ida geht es genauso.

01.08. Zum Glück gibt es da noch diese anderen Erlebnisse, vor allem unendliche Hilfsbereitschaft von allen möglichen Leuten. Zum Beispiel Yaro, der ist Barista in dem Café, in dass ich vor ein paar Tagen reingestolpert bin. Yaro fragt mich täglich, wie es mit Auto, Bank und Co. vorangeht und vier Stunden auf einen Kaffee oder ne Limo zu bleiben ist kein Problem. Tatsächlich sind Yaro und seine Kollegen der eigentliche Grund, warum ich wiederkomme. Das Internet ist nämlich schrecklich langsam, aber die drei sind immer zu Scherzen aufgelegt, spielen gerne Fußball wenn’s nichts zu tun gibt und füllen meine Wasserflasche gern mal eben wieder auf…hehe.

01.08. Hurra! Ich hab ein Auto. Es ist furchtbar dreckig, aber technisch einwandfrei. Ich will nur noch raus aus Los Angeles und fahre durch die Nacht gen Norden. Autofahren in LA ist überwältigend. An manchen Stellen ist der Himmel voller Straßen und an anderen voller Wolkenkratzer. Ich mache einen Umweg, um das Hollywood Schild zu sehen aber der Smog versperrt mir die Sicht. Stattdessen beschließe ich, einen Walmart für die ersten Einkäufe aufzusuchen und woooooow ich bin vollends überfordert. Dieser Laden ist zu groß zu viel zu alles. Ich fahre bis in den frühen Morgen nach Santa Barbara und schlafe ein paar Stunden. Endlich Ruhe und Frieden. Dann schrubbe ich den gröbsten Dreck aus den Teppichen und rufe Alex an. Der arbeitet in dem Hostel, in dem ich letzte Woche gepennt hab und organisiert einen Gästepass für den YMCA. Ich schwimme ne Stunde Bahnen und fühl mich wieder lebendig.

04.08. Ich warte mit meiner Tante Brenda im Department for Motovehicles um mein Auto zu registrieren. Ölwechsel haben wir auch schon machen lassen, im Kofferraum liegt Holz für das Bett und ich freu mich schon drauf, mit dem Basteln zu beginnen. Es ist herrlich, hier bei der Familie zu sein, ich war schon mit meinen Cousinen und Cousins im Pool plantschen, ich kann ausschlafen und darf die Werkzeuge in der Garage nutzen.

05.08. Ich sitz im Krankenhaus und sehe nix. Ich dummes Ding hab nicht aufgepasst und bin mit dem Auge in einen Metallwinkel gelaufen. Jetzt ist ein Schnitt im Augapfel und ich kann es nicht mehr öffnen. Irgendwas ist halt immer.

11.08. Nach meiner kleinen Zwangspause, die Clara und ich uns mit viel Eis und „The Office“ versüßt habe, ist der Van nun ein kleines Zuhause und ich bin bereit für das nächste Abenteuer. Also räume ich mein Zeug an Ort und stelle, verabschiede mich von allen und breche auf. Erstmal Santa Cruz. Auf dem Weg wird mir langweilig und ich will meine Gedanken mit jemandem teilen. Ich rufe mal gut auf Glück einen Freund an und habe nach zwei Minuten mal wieder vergessen welche Gedanken genau ich teilen wollte und dass mir langweilig war. Bis hinters nächste Funkloch erfreue ich mich an herrlichem Bullshitgelaber und es könnte schöner nicht sein. Ich genieße diese Telefonate nach Hause unheimlich und kann es kaum erwarten wieder einen von den Rabauken da drüben zu hören oder sehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich hier noch nicht so viele Leute in meinem Alter kennengelernt hab oder daran, dass ich ständig am Reisen war. Vielleicht aber auch daran, dass ich keinen Grund sehe, Freundschaften einzufrieren im Zeitalter von 4G und WLan überall.

11.08. Santa Cruz hat sich gut angefühlt und als ich die Stadt im Dämmerlicht verlasse, nehme ich mir fest vor, wiederzukommen. Überall sind Menschen unterwegs, Neonlichter versprechen Burger, Tacos und Hochprozentiges, Palmen rahmen die Straßen. So hab ich mir Kalifornien vorgestellt. Die Straße nach San Jose windet sich eng durch Berge und Wälder. An einer Stelle öffnet sich links ein Tal, ein Fluss ruht zwischen den Hängen. Es ist wunderschön und ich realisiere auf einmal, was ich hier eigentlich tue. Die ganzen ToDos der letzten Wochen haben mich fast vergessen lassen, dass ich gerade in Kalifornien bin. Ich bin in Kalifornien! Und wenn es hier schon so schön ist, wie sehen dann erst die Nationalparks aus? Klar, Vorfreude war immer da, aber jetzt, jetzt geht es los!

P.S. Entspann dich, Mama. Ist doch alles gut gegangen.

#1 Reykjavik – Vergissmeinnicht

Jetzt musste ich doch ein Tränchen verdrücken.

Ich hab es mir in Reykjavik in einem Café neben dem Buchladen mit den Bilderbüchern über Trolle und Riesen gemütlich gemacht, draußen peitscht der Wind bei zehn Grad Celsius den Regen übers Flugfeld, dass die Flieger schaukeln.  Dann hab ich ein paar liebevolle “Erst-im-Flugzeug-öffnen-Briefe” geöffnet und dabei ist’s passiert. Ich werd euch vermissen, egal was vor mir liegt!

Wilde Nächte aus Mate und grandiosen Schnapsideen. Die heißen Sommertage in Bächle und Seen verbringen. Den Schwarzwald, jedes Feuer und selbst das bisschen Schnee, dass wir hier Winter nennen. Und am meisten meine große Piratenbande, ohne die Littenweiler langweilig, jede Party austauschbar und das KuCa einsam wäre. Ihr seid mein Zuhause, alle zusammen, und ich kann es kaum erwarten, euch wieder auf die Nerven zu gehen.

Ihr sagt, es wird unbeschreiblich und unvergesslich und das glaube ich euch – es wird legendär, ohne Frage. Ich bin voller Vorfreude auf ein Jahr voller neuer Eindrücke und Naturwunder, auf Wellen und Vulkane, Gummistiefelwetter, Lagerfeuer und Mammutbäume, auf das Leben im Van und alle (un)schönen Überraschungen, die zu so einem Auslandsjahr dazugehören. Und ich will das alles erleben, in seiner ganzen Pracht und Unberechenbarkeit.

Aber mit ebenso viel Vorfreude – und das haben mir eure Vergissmeinnicht so schmerzlich schön gezeigt – fieber ich dem Moment entgegen, zurück zu kommen, nach Hause zu kommen. Ist das nicht wunderschön? Ich bin so dankbar, dass ich ein Zuhause habe, dass mir so viel bedeutet. Ein Zuhause so wunderschön, dass ich es mir nicht besser vorstellen könnte. Ich freue mich, wieder Feuer im Fluss zu machen, verzweifelt vor der Uni Schnee zu suchen, mit euch in Küchen zu sitzen und zwischen Lachtränen und Fremdschämen absurde Sachverhalte zu diskutieren und zu allen Gelegenheiten Eis zu essen und Leute zu bemalen (wahlweise beglitzern). Alles wie immer, ich kann es kaum erwarten.

Vielleicht hab ich auch ein klitzekleines bisschen Angst davor, dass halt nicht alles wie immer sein wird*. Dass ihr wegzieht oder mich einfach vergesst. Also, um der Sentimentalität ein Ende zu setzen: Vergesstmeinnicht Piraten, ich komme wieder!

 

*darüber könnte ich vermutlich einen eigenen Blogartikel schreiben. Oder direkt ein Buch. Obwohl, das gibt es ja schon! Wer es nicht kennt – THE GREAT GATSBY – besonders zauberhaft in Originalfassung.

ich bin ein stein. ich bin ein stein. ich bin einstein!

Ich bin vorzüüüüglichster Laune. Nach stundenlangem Knobeln habe ich das “Einstein-Rätsel” gelöst und herausgefunden wem der bekackte Fisch gehört. Während mein herzallerliebster Mitbewohner mir am liebsten einen großen Nerd-Stempel auf die Stirn drücken würde und auch meine Nichtschwimmer mich am Rande des Wahnsinns sehen, die Nacht vor der Klausur mit Kopfnüssen statt Lernkarten zu verbringen, frage ich mich ob iiirgendjemand meine maßlose Genugtuung nachvollziehen kann. Ich bin so unfassbar begeistert, ich hätte fast mein Zimmer aufgeräumt! Was ist da los?

Bevor ich nun ins Reich der zufrieden schlummernden, selig von  intellektuellen Höhenflügen träumenden blablabla entschwinden werde – das Rätsel des Terrors:

Es gibt fünf Häuser in einer Reihe mit je einer anderen Farbe. In jedem Haus wohnt eine andere Person mit einer anderen Nationalität. Jeder Hausbewohner bevorzugt ein bestimmtes Getränk, raucht eine bestimmte Zigarettenmarke und hält ein bestimmtes Haustier. Keine der fünf Personen trinkt das Gleiche, raucht das Gleiche oder hält das gleiche Tier.

Dazu gibt es folgende Hinweise:
Der Brite lebt im roten Haus.
Der Schwede hält einen Hund.
Der Däne trinkt gerne Tee.
Das grüne Haus steht direkt links vom weißen Haus.
Der Besitzer vom grünen Haus trinkt Kaffee.
Die Person, die PallMall raucht, hält einen Vogel.
Der Mann, der im mittleren Haus wohnt, trinkt gerne Milch.
Der Besitzer des gelben Hauses raucht Dunhill.
Der Norweger wohnt im ersten Haus.
Der Marlboro-Raucher wohnt neben dem, der eine Katze hält.
Der Mann, der ein Pferd hält, wohnt neben dem, der Dunhill raucht.
Der Winfield-Raucher trinkt gerne Bier.
Der Norweger wohnt neben dem blauen Haus.
Der Deutsche raucht Rothmans.
Der Marlboro-Raucher hat einen Nachbarn, der Wasser trinkt.

Frage: Wem gehört der Fisch?

Ach, ich könnt noch ‘ne Stunde Seifenblasen pusten.